Deutschleistungsfächer der K1 erhalten lebendige Einblicke in den investigativen Journalismus beim Jugendmedientag des SWR

Baden-Baden/Belem.

12.11.2025, 03:18 Uhr – Indigene Aktivisten stürmen die Weltklimakonferenz in Belem. Sie tragen Schilder: „Unser Land ist nicht zu verkaufen“ und fordern von den Mächtigen der Welt Aufmerksamkeit. 

12.11.2025, 09:18 Uhr – Die Deutsch-Leistungsfächer der K1 stürmen das Gelände des SWR. Sie erhalten Schilder: „Jugendmedientag“ und bekommen die Aufmerksamkeit von Regisseur Daniel Harrich und seinem Team. 

Die Stränge des Zeitgeschehens verknüpfen sich. Während in Belem weiter verhandelt und gekämpft wird, geraten die 30 SchülerInnen immer tiefer in den Flow des journalistischen Arbeitens, begleitet von hochkarätigen Journalisten des SWR wie Daniel Harrich und Oliver Turecek. 

Harrich ist unter Strom. Während er die Schüler in seine Arbeit einführt (oberster Appell: „Sucht euch einen Job, für den ihr brennt!“), gleichzeitig telefoniert, Interviews gibt, verschiedenste Nachrichtenkanäle filtert und textet, läuft er auf der Zielgeraden für den Abend des Tages. Denn an diesem strahlt die ARD den Themenabend „Verschollen“ aus (in der ARD-Mediathek verfügbar bis 10.11.2026), bei dem er Regie führte und der die Langzeitrecherche seiner letzten Jahre präsentiert. Der dokumentarische Spielfilm „Verschollen“ , mit Axel Milberg in der Hauptrolle, und die zugehörige Dokumentation thematisieren die schmutzigen Geschäfte mit dem Klimaschutz. Sie zeigen den Landraub in Brasilien, der der indigenen Bevölkerung die Lebensgrundlage entzieht, um auf deren Land Eukalyptus-Plantagen anzubauen. Weichen müssen dafür nicht nur die Menschen und ihre Dörfer im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, sondern auch der Cerrado, ein funktionierendes Urwaldsystem, das Jahrtausende gewachsen ist. Aus dem dann gewonnen monokulturellem Eukalyptusholz wird Holzkohle hergestellt, die dann wieder zum Erzeugen von „klimaneutralem“ Stahl genutzt wird. Greenwashing auf Kosten der Umwelt und der Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen. Die Weltbank und auch deutsche Konzerne sind beteiligt. Die Forschungsarbeiten, geleitet von Prof. Dr. Dietrich Darr von der Universität Weihenstephan-Triesdorf, Experte für nachhaltige und resiliente Farm- und Ernährungssysteme, und auch die Dreharbeiten wurden unter ebenso lebensbedrohlichen Bedingungen durchgeführt, denn hinter dem System stehen gewalttätige Kräfte, die die mediale Aufklärung genauso wie den Protest der Menschen verhindern wollen. 

Und genau hier setzt an diesem Morgen die Arbeit der OberstufenschülerInnen ein. Sie dürfen die journalistische Arbeit von Harrich nun simulieren und selbst investigativ tätig werden. Denn von den Zusammenhängen wissen sie an diesem Morgen noch nichts, ausgestrahlt werden die Sendungen erst am Abend. So bekommen sie das Video gezeigt, das auch Harrich von einem Informanten zugespielt wurde, zusammen mit der Information, das habe etwas mit Deutschland zu tun. Man sieht Menschen, die mit Gewalt andere von einem Traktor, der Abholzung betreibt, vertreiben und protestieren und dann die Militärpolizei, die drohend dazukommt. Die Eintagsnachwuchsjournalisten erhalten nun noch schriftliche Dokumente (Nachhaltigkeitskennzahlen der Deutschen Bahn, einen Artikel über Apple und deren Investition in Co2-Zertifikate, ein Strategiepapier der Firma ArcerolMittal zur Dekarbonisierung der Industrie) vom SWR-Team und folgenden Auftrag: In 90 Minuten muss ein Tagesschaubeitrag fertig sein, der die Zusammenhänge zwischen dem Video und den Erkenntnissen aus den Dokumenten für das deutsche Fernsehpublikum aufdeckt. Doch wie genau diese verstehen? Zur Verfügung stehen den jungen Leuten dann auch tatsächlich Live-Experten, nämlich Harrich und der sogar extra für den Jugendmedientag angereiste Prof. Dr. Darr. Interviewzeit: je maximal drei Minuten. Und so steigt in den Gruppen schnell der Adrenalinpegel, denn die zunächst unübersichtliche Quellenmenge, der Zeitdruck und die Anforderungen machen Stress und Spaß zugleich. Sie kommen in den Flow und arbeiten sogar ihre Pause durch (in der Realität arbeitsrechtlich wohl schwierig, wenn auch gängige Praxis), um dann im Anschluss im echten TV-Studio vor dem Greenscreen ihre Beiträge vorzutragen. Gefilmt werden sie dabei von Regisseur Harrich selbst, der ihnen dann auch kritisches Feedback gibt. 

Als der Puls sich wieder normalisiert hat, werden die LWGler dann noch Zeuge einer beim SWR derzeit getesteten Virtual Production, die mit hochkomplexer Kamera-Technik Schauplätze auf der Leinwand lebensnah entstehen lässt, ohne die Kulissen bauen zu müssen und auch einen Blick in das analoge Studio von „Kaffee oder Tee“ wird zum Vergleich noch geworfen. Harrich und Darr sind begeistert von den jungen Leuten, was auf Gegenseitigkeit beruht. 

In Belem ist noch keine Ruhe eingekehrt, als am Nachmittag die SchülerInnen der Deutschleistungsfächer und ihre beiden Kurslehrerinnen Esther Sax und Agnes Zahn wieder aus der Medienwelt in den Herbst Baden-Badens auftauchen. Ein großartiges Angebot des SWR an diesem Jugendmedientag. Journalistisches Arbeiten am Puls der Zeit!

Link zum Aftermovie: https://www.swr.de/unternehmen/medienkompetenz/ard-jugendmedientag-2025-im-swr-100.html

Artikel und Fotos: Esther Sax und Agnes Zahn